Sookee

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Konzerte der Berliner Rapperin und Queer-Aktivistin Sookee stellen begehbare Utopien dar. Hier ist all das bereits selbstverständlich, was man im scheiß Alltag so schmerzlich vermisst. Doch nun verlässt die lila Legende Sookee die Bühne - und hinterlässt dabei so viel mehr als bloß einen Haufen Hits.

Es wird zu Lebzeiten einfach nicht reichen... Diese Erkenntnis ereilt doch jeden engagierten Menschen eher früher als später. Also dass die ganz großen Ziele in der Ferne bleiben. Zum Beispiel: Respekt weltweit, Untergang des Kapitalismus, Abschaffung von Religion und so Zeug halt. Man selbst wäre ja bereit, aber der gesellschaftliche Konsens macht auf Mühlstein – und erkennt bereits im Gendersternchen größere Bedrohungen für Leib und Leben als in Rassismus, Misogynie, Homophobie, Transfeindlichkeit etc. Man selbst schüttelt sich nur: An dem Punkt hängt ihr noch? Na, danke.
Doch Resignation wäre eine schlechte Option, lieber an den (vermeintlich) kleineren Zielen werkeln:

Selbstbestimmte Räume schaffen, in denen sich alle wohl und sicher fühlen, Plattformen pushen, die Marginalisierten eine Stimme geben oder es auch bloß zu skandalisieren, dass auf die großen Open Airs fast überall quasi ausschließlich Typen gebucht werden. Festivalpenisse überwinden!
So eine Graswurzelarbeit kann allerdings ganz schön ermüdend sein.

Doch es gibt einen Ort, an dem die bunte, queere Zukunft schon lebendig ist: Das Sookee-Konzert. Hier lebt Utopia!
Nicht falsch verstehen, das kam natürlich alles nicht von jetzt auf gleich, viel mehr reichen die Tentakel der gebürtigen Mecklenburg-Vorpommerin weit zurück. Bereits 2006 datiert ihr erstes Album, das auf Springstoff dem in Deutschland richtungsweisenden Label für diskriminierungsresistenten HipHop (#Zeckenrap) erschien. Sookee pflügte seitdem den kargen Acker eines mackerverseuchten Genres um – und mit viel Ausdauer und noch mehr Talent schuf sie mit ihren Supporter:innen eine eigene geile Nische. Eine Nische, die immer weiter wuchs und heute bereits großräumig in den Mainstream reinragt.

Jetzt löst Sookee sich auf, was zum Glück gar nicht geht. Der Popkultur bleibt sie ohnehin mit ihrem Kindermusik-Projekt Sukini erhalten. Und mit ihrer Abschiedstour hat es die Langzeitaktivistin mit Rap-Hintergrund Anfang 2020 noch mal richtig auf die Spitze getrieben. Die ausverkaufte Konzertreihe wurde ein pulsierender Möglichkeitsraum, aus dem so viele Spaß und Kraft schöpften, Solidarität erlebten. Sookee lud sich in jeder Stadt Lieblingsgäste dazu, gab Initiativen eine Bühne und - das soll bei aller Begeisterung für das Gesamt-Phänomen hier keinesfalls in den Hintergrund treten – präsentierte vor allem, was für ein außerordentliches musikalisches Werk sie in den Jahren aufgetürmt hat.

Dieser Digital-Release versammelt Songs aus allen Abschnitten und macht neben der vielleicht schönsten Farewell-Party der hiesigen Rap-Historie eine skillreiche, stilistisch wandlungsfähige Künstlerin sichtbar, die lediglich in ihren Werten unverrückbar ist.
Auf „Wenn’s am Schönsten ist – Live“ hört man Saskia Laveau, Finna, Amewu, Spezial K. Außerdem ist Refpolk zu Gast auf dem Stück „Einige meiner besten Freunde“. Diesem Song stellt Sookee eine Ansage voraus, dort sagt sie „Wir wissen ja, dass Patriarchat ist für alle scheiße...“.

Alle jubeln, schließlich weiß und spürt das hier auf diesem Konzert wirklich jede/r. Eine komplette Abwesenheit von Arschlöchern. Wie einen das befeuert, was das für ein gutes Gefühl ist, was eine empowernde Stimmung sich daraus ergibt.
Auf diesem online-exklusiven Live-Album ist all das nun festgehalten. Das Vermächtnis einer Rapperin, die so viel losgetreten hat und uns mit „Wenn’s am Schönsten ist – Live“ auffordert, aus dieser Vorlage selbst was zu machen.

Machen wir, Sookee. Ehrensache.
Und – so viel Hoffnung muss sein - wir werden uns wiedersehen!

(Text: Linus Volkmann)

Sookee Live:

15.12.2021 Sookee - Berlin - SO36 Tickets