Sultans Court

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Wenn der Gründungsort eines Musikprojekts eines der genre-definiertesten Festivals der Republik ist, dann sollte es reichen, den Namen eben jenes Ortes zu nennen und die Gründungsgeschichte wäre auserzählt. Wo aber blieben die pseudo-romantische Nebengeschichte des klapprigen Renault Modus, der narrative Teil zu durchgemachten Nächten im Heimstudio oder die prägenden Verweise auf musikalische Einflüsse? Also muss die Entstehungsgeschichte von Sultans Court doch ausführlich erzählt werden. Bitte Sehr:


Dockville Festival 2014 – Raum für musikalische Identifikation, künstlerische Nacktheit und schicksalsträchtige Entscheidungen. Auf dem Weg zum Festival lernen sich Julius Klaus und Konstantin Hennecke, Gründer von Sultans Court, kennen. Der eine hat einen klapprigen Renault Modus von Opa zur Verfügung, der andere sucht dringend eine Mitfahrgelegenheit von Berlin nach Hamburg. Kaum auf der Autobahn, ist die Gründung eines Musikprojekts schon fast beschlossene Sache. “Während der Fahrt wurde uns ziemlich schnell klar, dass wir fast den selben Musikgeschmack haben. Fast unheimlich. Die ganze Fahrt wurde gefachsimpelt und sich über die eigene Musiksammlung ausgetauscht. Die Bandgründung war zu dem Zeitpunkt wohl unausgesprochen eine beschlossene Sache.” “Spätestens als ich auf mehr Konzerten mit Konsti als mit meinen Freunden war, mit denen ich ja ursprünglich hingefahren bin, war mir klar, dass es nicht bei einem bloßen Festivalbesuch bleiben wird.”


Kaum wieder Berliner Boden unter den Füßen, schließen sich die beiden Produzenten ins heimische Studio ein. Während der eine als Musikologe an den Saiten seiner Gitarre zupft und den Knöpfen dreht, komplementiert der andere als Medienkünstler mit seiner Stimme das, was aus den Boxen kommt. Sultans Court brauchen über ein Jahr, um sich musikalisch zu finden und ihren Sound zu definieren. Julius resümiert: „Ständig kamen neue Ideen ins Studio rein. Auf Mount Kimbie folgte Flume, die wurden abgelöst von Alt-J. Wir haben uns einfach von allem inspirieren lassen.“

Herausgekommen ist ein Sound, der kaum greifbar ist. Sultans Court betreten eine Spielwiese der Vielfalt und bewegen sich nonchalant zwischen vermeintlichen Gegensätzen. Analoge und elektronische Klänge kreieren düstere Motive, während der energetische Groove treibender Percussions eine tanzbare Leichtigkeit impliziert. Leitet der Gesang einerseits die Musik und verliert sich andermal spielerisch in ihr, so überraschen die Songs regelmäßig mit unerwarteten Wendungen. Dass Namen wie Alt-J, Chet Faker oder Glass Animals fallen, mag ein Kausalzusammenhang sein, ist aber doch nicht mehr als ein grober Versuch der Einordnung.

„Klar hatten wir musikalische Ideen und Vorbilder im Kopf. Zeitgleich hatten wir aber alle Freiheit uns so auszuprobieren, wie wir wollten.“, so Konstantin. Es wurde gesampelt und vertrackt, türkische Instrumente bedient und einzelne Fragmente genutzt. „Als wir nach über einem Jahr mit unserer EP zufrieden waren stellte sich relativ schnell die Frage, wie wir das Live aufführen wollen. Im Studio konnten wir zusammenbauen, wie es uns passte, live sah das ein wenig anders aus.“, erzählt Julius grinsend. „Wir hatten ja noch nicht mal irgendwas veröffentlicht, da konnten wir schon als Support von Ant Antic in der Kantine im Berghain spielen.“

Der Moment, als aus dem Produzentenduo eine (Live-)Band wurde, mit Leander an den Drums und Markus an den Keys, war der Schritt in die finale Entscheidung, dass Sultans Court ein ernstzunehmendes Projekt ist. Es folgten diverse Gigs und Sessions, u.a. bei Fritz Unsigned, Berlin Sessions oder dem FluxFM Bergfest. Nach dem Signing bei Filter Records steht die Veröffentlichung ihrer erste EP ‘From Afar‘ auf dem Plan. Eine EP, die die Gründungsgeschichte Sultans Court in Reinform vertont: Fünf Songs, die die Leichtigkeit der künstlerischen Freiheit vertonen. Verspielte Klangebenen leben im Einklang mit mantraartigen Loops und prägnanten Melodien. Das scheint die Unbedarftheit der Zwanglosigkeit zu beschreiben. Ein bisschen also wie das Dockville.


Und der Renault Modus? In dem werden sich Sultans Court vielleicht das nächste Mal auf den Weg zum Dockville Festival machen. Bleibt nur fraglich, ob dieses Mal ihr komplettes Equipment in den Kofferraum passt.


Sultans Court sind:

Julius Klaus – Gesang

Konstantin Hennecke – Gitarre

Markus Hartung - Keyboard

Leander Kohn - Schlagzeug


Sultans Court Live:

28.11.2019 Sultans Court - Berlin - Monarch -Support Eau Rouge Facebook