FANBOY
Könnte man Style an der Ladentheke bekommen, ständen
Tigerbeat in der ersten Reihe, Finger schnippend, hippelig
aber in letzter Konsequenz unentschieden, auf welche Seite
sie sich schlagen sollen, Kaufen oder Verkaufen? Sie haben
soviel erlebt, sie haben soviel zu geben aber es gibt auch
noch soviel zu entdecken. Bei allem Drang zum Original weigert
sich
einfach der Fanboy in ihnen zu sterben. Ein zäher Bursche,
aufgezogen mit der Milch unfrommer Denkungsart, in einem Land
mit Flüssen, die statt Milch und Honig teuflischen Schnaps
und codeinhaltigen Hustensaft führen.
Lieblingspose: Ausfallschritt, Arm hoch, kreiseln lassen.
Klar, das hat nur Style, wenn man es richtig kann - wenn man
es dosiert, das Tier auch mal im Käfig lässt. Eben
genau so wie es der Fanboy macht, der in den Männern
von Tigerbeat sein Unwesen treiben.
RAMPENSAU.
Musik wie "If For One Time (We Don't Fight)" oder
"Alright", in Stein gemeisselte Ausschweifung mit
dem gerütteltem Übermass an Pomp, Überschwang
und Kontrollverlust, entsteht nicht mal so einfach, dir nichts,
mir nichts, an einem lauen Sommernachmittag, wenn sich "die
Jungs" treffen.
Anders: Das muss man sich erst mal trauen - auf die Knie sinken
mit dieser ganz weiten Geste, die Brust dem Himmel entgegengestreckt,
als wäre das Feuer der Verbannung zu erwarten. Nur um
dann im nächsten Moment mit einer
ebenso grossen Geste im Dreck der Asche zu versinken. We are
all in the gutter, but some of us are looking at the stars...
Ja, Tigerbeat bewegen sich damit irgendwo zwischen Oscar Wilde
und den Toxic Twins, zwischen kunstvoll inszeniertem Ego-Drama
und mythisch überhöhtem Trash, zwischen Dandy und
Rosstäuscher.
HEARTBREAKER.
Himmel, Arsch und Zwirn aber vor allem Arsch und Zwirn –
die sind auf eine zeitlos spittelige Art so sexy, in einer
anderen Welt, in einem völlig anderem Zusammenhang nannte
das mal jemand "Sex on a Stick".
Dazu sorgt der wohl ungewöhnlichste Endorsement-Deal
diesseits des Atlantiks für die Art von feinen Anzügen,
in die andere erst noch reinwachsen müssten. Das ist
mehr als eine halbironische Geste oder die Nachgeburt des
Pudels-Chic. Neuste musikalische Entwicklung wie der plötzlich
ausgelebte
Hang zu einer Früsiebziger- Schwere hat mir der Schlagzeuger
auch schon mal mit dem Hinweis erklärt, dass er sich
schliesslich nicht umsonst einen Vollbart angezüchtet
hat. Was nichts anderes bedeutet, als dass sich Tigerbeat
- Klassiker! - ihrer Musik, ihrem Stil und ihrem Publikum
verpflichtet fühlen. Lieben und Leiden, Leiden und Lieben
mit der nötigen
und immer wohlriechenden Grundverschwitztheit. Leidenschaft
muss ja nicht bedeuten, dass man am Ende immer dumm und hässlich
dasteht. Dumm allein reicht doch auch schon. Oder wie Tigerbeat
in "Heartbreak Kid" singen "If I lose my head
and if I lose my mind, I wanna do it right."
TIGERBEAT
sind Frehn Hawel (voc., git.), Sven Elsner (drums), Daniel
Schlott (git., synth.) und Stefan Nielsen (rhodes, organ,
synth). Ihr Debüt-Album "No. 1" erschien letztes
Jahr auf Exile On Mainstream. Ausgesprochene Tigerbeat-Fans
werden zwei Songs der "Lost EP" auf "13 Songs"
wiederfinden - 13 Songs für aufgewühlte Momente
oder für die blaue Stunde zwischen Glam und Comedown.
Mit weniger muss sich heute niemand mehr zufrieden geben.
Danke.
Lars Brinkmann |