|
SOL
Unter dem Namen Sol nahmen Tobias Gruben (Gesang, Mundharmonika)
und Felix Huber (Klavier, Samples, Bass, E-Gitarre, Akustikgitarre,
Beats undsoweiter) 1996 eine Drei-Track-Single für Buback auf.
Der Name Sol ist zu verstehen als konkreteste
Artikulierung eines unbekannten musikalischen Ziels. Denn:
Musik an sich ist eigentlich nichts anderes als ein andauerndes
SOLlen und nie ein Sein. Sie ist fließender Wandel und deshalb
auch unvollendbar (schon gar nicht auf Tonträgern). Für
den echten Künstler ist sie ein SOLl, ein Dienst. In den Texten
dieser Single werden verschiedene Beobachtungen
aus verschiedenen Positionen dramaturgisch so gegeneinander gesetzt,
dass das Bild einer doppelbödigen Welt entsteht, mehr
noch: eines gespaltenen Lebens, in dem Ober- und Unterbewusstsein
zwei völlig voneinander getrennte Existenzen führen. Nur
gelegentlich, wie in dem Lied "Hände", ahnt
das eine von dem Wirken des anderen. Dann gibt es einen bitteren
Lagebericht in direkter Rede: über den abgewirtschafteten Zustand
einer Welt, einer Beziehung oder des Musicbiz ("Der Winter").
Das dritte Stück ("Scarborough Fair") ist
eine uralte irische Volksweise über die unerfüllbare Liebe.
[ >>
]
|
|
Der Sänger stellt seiner Geliebten drei Bedingungen: Ein
Kleid zu nähen ohne Naht und Nadel, es in einem Brunnen zu
waschen, der nie Wasser sah und schließlich ein Stück
Land zwischen der Gischt und dem Strand zu finden. Die Prüfung
ist so angelegt, dass kein Mensch sie bestehen kann. Tobias Gruben,
1963 in Athen geboren, macht seine ersten musikalischen Gehversuche
mit der Band Die Vier Kaiserlein, zu der auch Christoph
Schlingensief gehörte. 1984 wird Gruben Sänger der
Band Cyan Revue, die für eine Art Gruftrock standen.
Nach deren Auflösung gründet er die Underground-Band Die
Erde. Der Musikstil wandelt sich, die Texte werden zunehmend
deutschsprachig. Nachdem sich Die Erde 1990 aufgelöst hat,
folgt eine recht konfuse Zeit: Tobias Gruben gründet das Projekt
Heroina, danach komponiert und arbeitetet er Jahre lang mit
einfachsten Mitteln - ohne Mitmusiker. 1994
ruft Gruben schließlich Sol ins Leben, die kurze Zeit
später Die Erde II heißen. Für 1997 war auf
dem Label What's
So Funny About eine umfangreiche Veröffentlichung
neuer Titel geplant. Doch am 2. Dezember 1996 stirbt Tobias Gruben
in Hamburg an einer Überdosis Heroin. Die posthum erschienene
Doppel-CD "Tobias Gruben & Die Erde", die einen
Überblick über das Wirken dieses genialen Rock-Poeten
gibt, enthält auch Stücke der Buback-Single.
|