„Vom
Indierock zum Bundesamt für politische Bildung“ (für
welches das affilierte Videokollektiv Superschool unter anderem
einen sogenannten „Kongress des Halbwissens“ produziert) – wer
kann noch sagen, was subversiver ist?“ (Matze, Ragazzi)
Thank god it’s Friday. Der Mensch macht mobil oder schlapp,
sucht sinnfreien Spaß in Natur, Disko, Beziehung oder Club
oder hadert mit der Belanglosigkeit seiner alltäglichen Existenz.
Nach dem hymnischen Überschwang von „Soft Operator“ und „Are
you dreamy?“ konzentrieren sich Ragazzi, Berlins geschickte
Musikvisualstylevermischer, nun auf die eher düsteren Seiten
unseren Lebens. Hinter kompromissloser Produktion, zuckersüßer
Harmonie und durchgehend erstklassigen Popsongs versteckt sich
hier vielschichtiges Understatement - persönlich und stilisiert
zugleich zerpflücken die Lyrics Szenarien des Alltags zwischen
Arbeit, Urlaub, Sex, Sport und Shopping, beschreiben die ergreifende
Trostlosigkeit und trostlose Schönheit des Banalen, das
im Leben einen zentralen Stellenwert einnimmt.
Ob (wie auf „Call
and Reply“) Menschen an den Standardantworten
des Call Center-Konzepts scheitern, in der Absurdität
von Berühmtheit („Celebrity Party“) Ideale
ad akta gelegt werden oder mittels der Austauschbarkeit von
Nachrichten
(„The News“) ein Bild davon entsteht, worauf sich
die eigene Existenz(angst) beschränkt (Multiply) – im
hervorragend sezierten Zwist mit dem eigenen Leben und Streben
vermeiden Ragazzi
bewusst bewertende Stellungen zugunsten einer pointenlosen
Zustandsbeschreibung mit einer guten Portion Tristesse.
Allgemeingültige
Wahrheiten oder Lösungen sucht man hier
vergeblich, denn Ragazzi inszenieren die Musik, nutzen Verkleidung
und Impersonation, um echt zu sein: „Ohne Maske keine
Realität“.
Und auch musikalisch suchen die Jungs (ital. Ragazza) ständig
nach genau den Aspekten, die sich hinter den Oberflächen
herumtreiben - gelegentlich und gern auch auf abschüssigem
Gelände,
um sich dann in den Charts zu erden. Mit einschlägigen
Mitteln schütteln sie die Grundfesten des Pop durch, um
sie, neu vermixt und gegeneinander gestellt; locker und verdammt
geschickt zu ergreifenden
Kurzgeschichten zu verbinden. Den dazu passenden, imaginären
Film behalten Ragazzi dabei immer vor Augen, denn mindestens
so wichtig wie die bewusste, ambitionierte und immer gelungene
Weiterentwicklung
eines Popformats, das über Genrebegriffe lacht, bleibt
die Präsentation über Video, Foto und Outfits, welche
die Standards einer Popband wiederspiegeln, repräsentieren, überziehen,
aufbrechen oder auch karikieren.
Beteiligt haben sich an „T.G.I.
Friday“ übrigens
auch Norwegens populärster Export (nach a-ha) Erlend
Oye, die japanische Musikerin, Ex-Geisha, Fotografin, Vogue-Kolumnistin
und Gesamtkunstwerk Hanayo sowie mit Liane Sommers eine der
progressivsten Videokünstlerinnen Berlins.
Nebenbei betreiben
Ragazzi ein Modelabel für Handbekleidung
und arbeiten an einer minimalelektronischen
Musical-Adaption von Christian Krachts „Faserland“.
Weitere Secret Hits, Einflüsse und Lebensbegleiter -
natürlich
unvollständig und unsortiert: Music
Peter Ivers - Terminal Love; My Bloody Valentine – Isn´t
Anything ; Blumfeld - Old Nobody; The Modernist - Opportunity
Knox; Flaming Lips - The Soft Bulletin; DJ Assault - Jefferson
Ave; Les
Rhytmes Digitales – Darkdancer; Kelis - Kaleidoscope
+ Wanderland;Nas - Illmatic + It Was Written TLC - CrazySexyCool
+ Fanmail; Aliayah – Aliayah;
Shuggie Otis - Inspiration Information
Brian Eno - Here Come the Jet Streams; Joyce - Nelson
Angelo E Joyce; Milton Nascimento/Lo Borges - Clube
do Esquina
(");
Os Mutantes – dito; Caetano Veloso – dito;
Codeine - Barely Real
Come - Near Life Experience; Ian van Dahl – Ace; Blank
+ Jones – Substance; Venga Boys; ESP Summer; Virginia
Astley; Sneaky Feelings - Waiting For Touchdown, The
Bats - And Here Is
'Music For the Fireside'; Pulp - His'n Hers; Komeda
- What Makes It Go + The Genius of Komeda
Film
Bungalow von Ulrich Koehler, Loneliness of
the Long Distance Runner von Tony Richardson, Storytelling
von Todd Solodz,
Good Morning
von Yasujiro Ozu, Buffalo Soldiers aka Army Go
Home von Gregor Jordan
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