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LES ROBESPIERRES
Als Les Robespierres im Januar 1994 die Single Mexico o
E.Z.L.N. e voces"aufnahmen,existierte die Band gerade mal
ein paar Tage, und der Aufstand der Guerillabewegung in Chiapas
dauerte zu diesem Zeitpunkt erst zwei Wochen an. Die Platte zur
Revolte sahen einige der wenigen, die sie damals zur Kenntnis nahmen,
als Beleg für die nicht mehr ganz frische These, dass
Popmusik schneller als andere Kunstformen auf gesellschaftliche
Veränderungen reagieren könne. Der erste Eindruck
war irreführend. Klaus Ramcke, Texter, Sänger und
Gitarrist, sagte später, er wolle keineswegs in aktuelle Diskussionen
eingreifen. Es geht um Freiheit
und Selbstbestimmung und um Bewußtseinsfallen, die dafür
sorgen, daß man funktioniert", betont
er. Was darüber gesagt werden soll, unterscheidet
sich im wesentlichen nicht von dem, was man in einer feudal strukturierten
Gesellschaft darüber hätte sagen können."
Diese Überzeugung spiegelt sich wider in der Form der Texte,
die wenig zu tun hat mit Pop - von Strophe-Refrain-Strukturen einmal
abgesehen. Ramcke bedient sich der portugiesischen Sprache - er
ist aufgewachsen damit -, allerdings einer quasi artifiziellen Variante.
Dieses Portugiesisch befolgt zwar die Gesetze der Sprache,
aber die gelebte Form, den Tagesgebrauch transportiert es nicht",
sagt er. Da stecke ich nicht drin." Auch die Metaphorik
ist ungewöhnlich für Popmusik, vielmehr billig
klassizistisch", wie Ramcke sagt. Ein gutes Beispiel dafür
ist Pecado original trabalho e propriedade" (Der
Sündenfall von Arbeit und Eigentum"), das Auftaktstück
ihres zweiten Albums Repentista/Repetista". Hier
erzählt Ramcke von einer Beziehung zwischen einem Vater (er
verkörpert die Arbeit") und seiner Tochter (das
Eigentum"). Solche Stücke sind wohl verantwortlich dafür,
daß Les Robespierres Kommentare zu hören bekommen wie:
Ihr seid wie Brecht, aber immer wenn er schlecht ist
- und das ist das Gute daran." Ramcke erläutert:
"Wir wollen Wahrheiten auf die einfachste Art formulieren,
ohne jeden poetischen Ehrgeiz." Das artifizielle Portugiesisch,
das er singt, ist auch als symbolisches Statement zu verstehen für
jenen Großteil der Weltbevölkerung, der von der Weltmarkt-Sprache
Englisch ausgeschlossen ist.
Außerdem kommt die Doktrin, daß erfolgreiche
Popmusik Englisch oder Amerikanisch gesungen werden muß, einer
Ausweitung des amerikanischen Traums auf den Jugendkultursektor
gleich", meint Bassist Ted Gaier.
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Die Botschaft ist: Du kannst es ganz
nach oben schaffen, auch wenn du bloß ein Vollidiot aus Norwegen
bist." Platt formuliert, verarbeiten Les Robespierres
mit der portugiesischen Sprache ein sogenanntes Ethno-Element -
nur eben mit einer außergewöhnlichen Absicht. Wie
funktioniert diese Eingliederung denn normalerweise? So genannte
Ethnien sind immer gut dafür, den Rhythmus zu liefern. Aber
wer kommt schon auf die Idee, Texte und Inhalte zu integrieren?"
meint Klaus Ramcke.Die Musik dazu speist sich aus den besten Momenten
der Aufbruchphasen verschiedener Genres; ein
Koordinatensystem aus Beat, Punk und Rock'n Roll bildet den Rahmen
für den ewig zeitgenössischen Sound dieses Quartetts.
Ted Gaier - außerdem gehören zur Gruppe Sergej Tolksdorf,
Orgel, sowie Stefan Rath, Schlagzeug - sieht durchaus Parallelen
zwischen Les Robespierres und einer seiner anderen Bands, den Goldenen
Zitronen, denn beide hätten "eine
bestimmte Absicht zu nerven". Es sei das Hauptmerkmal beider
Gruppen, daß der Sänger einem etwas sagen will; daß
er einem quasi ins Ohr brüllt." Genau deshalb ist zumindest
in Deutschland die Auseinanderetzung mit den Texten, die hier eigentlich
keiner versteht, relativ intensiv - zum Beispiel im Vergleich zu
denen einer deutschen Band, die Englisch singt, weil sie will, daß
man nicht so genau hinhört. Manche Brasilianer hingegen hatten
Schwierigkeiten damit, wie die vermeintlich naturgemäß
softe portugiesische Sprache mit einer aggressiven Punk-Haltung
gekoppelt wird, wohingegen wiederum die Betreiber eines kleinen
New Yorker Labels das Lob cool gerockt"
nach Hamburg faxten - eigentlich genau das Gegenteil von
dem, was wir verkörpern" (Gaier). Die Ideologie der
Robespierres interessierte das US-Label nicht die Bohne. By
the way, what's the E.Z.L.N.?" stand am Ende des Huldigungs-Faxes.
Heute ist die E.Z.L.N. nahezu verschwunden aus der Berichterstattung,
und auch ansonsten hat es auf der Welt Veränderungen gegeben,
zu denen man von keiner Band die richtigen Kommentare gehört
hat. Zeit für ein neues Album von Les
Robespierres also. Es erscheint im Laufe des Jahres 2001 bei
Buback.
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