News / Label / Bands / Newsletter / Konzerte / Tourdaten / Links / Mailorder / Impressum
     

.....LES ROBESPIERRES.....

Single "Mexico o. E.Z.L.N. e voces"
Fluffy Chair

LP/CD
"Liberdade/Liberalidade"
Buback Tonträger/Indigo

Single
"Todo li, vi e bebi"
Buback Tonträger/Tom Produkt

Single
"Repentista"
Buback Tonträger/Indigo

LP/CD
"Repentista/Repetista"
Buback Tonträger/Indigo

CD "L´Amerique" (05.03.2004) --> mehr Infos
LES ROBESPIERRES und Melissa Logan
Buback Tonträger/Indigo

 

   
   

 

 

 

 

 

 

LES ROBESPIERRES


Als Les Robespierres im Januar 1994 die Single “Mexico o E.Z.L.N. e voces"aufnahmen,existierte die Band gerade mal ein paar Tage, und der Aufstand der Guerillabewegung in Chiapas dauerte zu diesem Zeitpunkt erst zwei Wochen an. Die Platte zur Revolte sahen einige der wenigen, die sie damals zur Kenntnis nahmen, als Beleg für die nicht mehr ganz frische These, dass Popmusik schneller als andere Kunstformen auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren könne. Der erste Eindruck war irreführend. Klaus Ramcke, Texter, Sänger und Gitarrist, sagte später, er wolle keineswegs in aktuelle Diskussionen eingreifen. Es geht um Freiheit und Selbstbestimmung und um Bewußtseinsfallen, die dafür sorgen, daß man funktioniert", betont er. “Was darüber gesagt werden soll, unterscheidet sich im wesentlichen nicht von dem, was man in einer feudal strukturierten Gesellschaft darüber hätte sagen können." Diese Überzeugung spiegelt sich wider in der Form der Texte, die wenig zu tun hat mit Pop - von Strophe-Refrain-Strukturen einmal abgesehen. Ramcke bedient sich der portugiesischen Sprache - er ist aufgewachsen damit -, allerdings einer quasi artifiziellen Variante. “Dieses Portugiesisch befolgt zwar die Gesetze der Sprache, aber die gelebte Form, den Tagesgebrauch transportiert es nicht", sagt er. “Da stecke ich nicht drin." Auch die Metaphorik ist ungewöhnlich für Popmusik, vielmehr “billig klassizistisch", wie Ramcke sagt. Ein gutes Beispiel dafür ist “Pecado original trabalho e propriedade" (“Der Sündenfall von Arbeit und Eigentum"), das Auftaktstück ihres zweiten Albums “Repentista/Repetista". Hier erzählt Ramcke von einer Beziehung zwischen einem Vater (er verkörpert “die Arbeit") und seiner Tochter (“das Eigentum"). Solche Stücke sind wohl verantwortlich dafür, daß Les Robespierres Kommentare zu hören bekommen wie: “Ihr seid wie Brecht, aber immer wenn er schlecht ist - und das ist das Gute daran." Ramcke erläutert: "Wir wollen Wahrheiten auf die einfachste Art formulieren, ohne jeden poetischen Ehrgeiz." Das artifizielle Portugiesisch, das er singt, ist auch als symbolisches Statement zu verstehen für jenen Großteil der Weltbevölkerung, der von der Weltmarkt-Sprache Englisch ausgeschlossen ist.

“Außerdem kommt die Doktrin, daß erfolgreiche Popmusik Englisch oder Amerikanisch gesungen werden muß, einer Ausweitung des amerikanischen Traums auf den Jugendkultursektor gleich", meint Bassist Ted Gaier.

[ >> ]

 

Die Botschaft ist: Du kannst es ganz nach oben schaffen, auch wenn du bloß ein Vollidiot aus Norwegen bist." Platt formuliert, verarbeiten Les Robespierres mit der portugiesischen Sprache ein sogenanntes Ethno-Element - nur eben mit einer außergewöhnlichen Absicht. “Wie funktioniert diese Eingliederung denn normalerweise? So genannte Ethnien sind immer gut dafür, den Rhythmus zu liefern. Aber wer kommt schon auf die Idee, Texte und Inhalte zu integrieren?" meint Klaus Ramcke.Die Musik dazu speist sich aus den besten Momenten der Aufbruchphasen verschiedener Genres; ein Koordinatensystem aus Beat, Punk und Rock'n Roll bildet den Rahmen für den ewig zeitgenössischen Sound dieses Quartetts. Ted Gaier - außerdem gehören zur Gruppe Sergej Tolksdorf, Orgel, sowie Stefan Rath, Schlagzeug - sieht durchaus Parallelen zwischen Les Robespierres und einer seiner anderen Bands, den Goldenen Zitronen, denn beide hätten "eine bestimmte Absicht zu nerven". Es sei das Hauptmerkmal beider Gruppen, daß der Sänger einem etwas sagen will; daß er einem quasi ins Ohr brüllt." Genau deshalb ist zumindest in Deutschland die Auseinanderetzung mit den Texten, die hier eigentlich keiner versteht, relativ intensiv - zum Beispiel im Vergleich zu denen einer deutschen Band, die Englisch singt, weil sie will, daß man nicht so genau hinhört. Manche Brasilianer hingegen hatten Schwierigkeiten damit, wie die vermeintlich naturgemäß softe portugiesische Sprache mit einer aggressiven Punk-Haltung gekoppelt wird, wohingegen wiederum die Betreiber eines kleinen New Yorker Labels das Lob “cool gerockt" nach Hamburg faxten - “eigentlich genau das Gegenteil von dem, was wir verkörpern" (Gaier). Die Ideologie der Robespierres interessierte das US-Label nicht die Bohne. “By the way, what's the E.Z.L.N.?" stand am Ende des Huldigungs-Faxes. Heute ist die E.Z.L.N. nahezu verschwunden aus der Berichterstattung, und auch ansonsten hat es auf der Welt Veränderungen gegeben, zu denen man von keiner Band die richtigen Kommentare gehört hat. Zeit für ein neues Album von Les Robespierres also. Es erscheint im Laufe des Jahres 2001 bei Buback.