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JaKönigJa JaKönigJa

JaKönigJa

A. Ich bin Stoff und du bist Geist
B. Be Kind to the Shape of My Narrative

Hanseplatte 7"
VÖ: 06.06.2013

Die Seilschaft der Verflixten

Buback Tontäger LP/CD
VÖ: 25.04.2008

 
   
     
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Seilschaft | MP3
 
 

Liebe Freundinnen, liebe Freunde, liebe Seilschaft,

 

wer mich kennt, weiß: Ich bin kein Mann der großen Worte. Pathosformeln sind mir fremd.
Dennoch möchte ich keine Sekunde zögern, hier und heute die Stimme zu erheben, um in höchsten Tönen das Loblied zu singen auf eine Popgruppe, deren Name uns allen längst majestätisch in den Ohren klingelt: JaKönigJa.
Diese Gruppe vollbringt es seit geraumer Zeit wie keine andere, uns arme Zweifler in Zeiten der musikalischen Dürre und der poetischen Dürftigkeit mit der Popmusik zu versöhnen. Als 2005, nach vielen Sabbatjahren, das nach der Sängerin, Texterin und Multiinstrumentalistin Ebba Durstewitz  benannte Album „Ebba“ erschien, war dies für uns alle tatsächlich, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Erscheinung.
Hoch droben von ihrer Dachterrasse sang Ebba Durstewitz gemeinsam mit ihrem langjährigen Verbündeten Jakobus Siebels Verse zu uns hinab, wie wir sie selten zuvor vernehmen durften und die für lange Zeit in unser aller Köpfen herumspukten. Nun, drei Jahre später, steigt diese kleine Schar erneut von ihrer Balustrade zu uns herunter und schenkt uns ein weiteres, höchst exzentrisches Kompendium:  „Die Seilschaft der Verflixten“.
Das erklärte Ziel der Gruppe, Seemannsgarn zu einem Tau zu knüpfen, das sich um alles windet und mit der gesamten Welt verbindet, ihr Geschick, alles in allen Dingen Enthaltene zu beschwören und den Schlüssel dazu gleich mitzuliefern, wird auf diesem neuen Album deutlicher als je zuvor. Die Einsamkeit und der ungeheuerliche Mut, mit dem auf „Ebba“ Unerhörtes ausgesprochen wurde, sind hier zu einer Verflixtheit geworden, die nichts mit der stumpfsinnigen Kumpanei gemein hat, die in der deutschen Rockmusik stets die größten Triumphe feiert. Hier spricht weiterhin eine durch und durch fremde Person, aber sie steigert sich zur Inszenierung einer wütenden Vielfalt, ekstatisch und grausam. Sie wächst über sich hinaus und zerreißt sich in 1000 Stücke, 1000 Stimmen. Ein Kollektiv entsteht, eine Seilschaft, das Mannigfaltige. Die Einsamkeit zerbricht. Die Schlacht kann beginnen!
Man kann auf diesem Album lernen zu hören und zu staunen. Pauken und Trompeten erschallen zum Lobe aller Artisten, Solisten, Nihilisten und vermissten Pantheisten und bringen die Mauern der Beschränkten zum Einsturz. Die quatschigsten Klänge quietschen wie zum Spott aller Kleingeister und Großmäuler, die nur die langweilige, ewig treue Seite der Liebe kennen. „Es kann sehr schön sein, so zu lieben. Den meisten tut es nicht so gut“, heißt es an einer Stelle des Albums.
Diese Musik zu hören, kann wunderschön sein. Wenn man sich, halb ohnmächtig, von Steuermann Jakobus Siebels durch ein kosmisches Gewimmel von Noten leiten lässt, wenn man merkt, dass man keine Angst mehr zu haben braucht vor dem, was einem da zu Ohren kommt. Wenn sich Gedicht, Musik und Tanz in einer auflösenden Form verbinden, kann man sich schütteln und sich winden und man kann der Stimme des Begehrens lauschen: Denn über allem Chaos schwebt Ebba Durstewitz, glasklar und schonungslos. Man kann sie Dinge singen hören, die andere nicht einmal zu denken wagten. Man kann Melodien hören, die anderen nicht einmal im Traum einfielen. Es kann, wie gesagt, wunderschön sein, diese Musik zu hören. Wer verstehen will, wird verstehen. Allen anderen tut es nicht so gut.
Ich jedoch,
Ich will mit euch ziehen, will mit euch ziehen,
mit euch allen zu gleicher Zeit
überallhin, wo ihr hinfahrt!
Will euren Gefahren Auge in Auge begegnen,
auf meinem Antlitz die Winde spüren, die das eurige strafften,
von den Lippen das Meersalz speien, das die eurigen küssten,
die Arme rühren bei eurem Tun, teilhaben an euren Stürmen
endlich wie ihr zu nie gekannten Häfen gelangen!
                                                Álvaro de Campos, Meeres-Ode

Dirk von Lowtzow