Freiwillige Selbstkontrolle ist das 12. Album der Freiwilligen Selbstkontrolle.
Wenn ein Bandname noch nach 27 Jahren zum Plattentitel taugt ohne nostalgische Assoziationen zu wecken, kann nicht so viel schief gegangen sein auf der langen Wegstrecke.
Selbstkontrolle ist so was wie ein Leitmotiv der Band. Und zwar im Sinne von: Authentizistisches Künstlersubjekt Fuck off. FSK Stücke sind vertonter V-Effekt. Mitfühlen und Einfühlen in eine privatistische Sängerwelt gibt´s anderswo. Hier gibt es ihn nicht mal, den Sänger. In gerechte Aufteilung der Songs spielen nahezu alle BandmitgliederInnen die Rolle – SängerIn.
Die Songs handeln z.B. von der dominikanischen B-Movie Schauspielerin und Schwulenikone Maria Montez, von dem Proto-Discosänger Sylvester, der mit seinem Satz „You make me feel mighty real“ als erster die Idee von Identität als performativem Akt in einem Song formulierte, von den verschiedenen Vogueingklans im New Yorker Schwulenunderground und von dem Problem des Warhol Superstars Candy Darling, die nach ihrer Geschlechtsumwandlung feststellt, dass ihr sexuelles Begehren nicht auf Männer ausgerichtet ist.
Nach den, grob zusammengefasst, drei bisherigen Werkphasen, -Der Hilsberg New Wave/Post Wave Phase, der Jodel-Polkaphase mit David Lowery als temporärem Bandmitglied und der fast textlosen, trackorientierten Disko B Phase- schlagen FSK mit dieser Platte das nächste Kapitel ihrer Geschichte auf. Formal wieder song- und textorientierter, ist ein Aspekt ihrer gegenwärtigen Untersuchungen das Übersetzen digital geschraubter Beats des zeitgenössischen R&B (Missy Elliott, Neptunes) in ihren handgespielten Bandkontext. Die Basis-Beats von Carl Oesterhelt verzahnen sich mit Meineckes manuell gehämmerten Drum-Padsounds zu einem komplexen Rhythmusgebilde, das die Welt so noch nicht gehört hat. Darunter liegt der schwere, mit scharfem Blick für das Notwendige gespielte Bass Michaela Meliáns, drüber das wahnwitzige Gerassel dysfunktionaler Presetsounds aus Justin Hoffmanns Yamaha DX 7 Synthesizer und Wilfried Petzis Gitarren, die in Sachen Glamrock, Bossanovagezupfe, Krautrockgewaber und wagnerischen Moped-Hardrockakkorden keine Wünsche offen lassen. Desweiteren wimmelt es in den kraftvollen, transparenten Arrangements nur so von kleinen soundmässigen Bonbons. Eine schläfrige Blaskapelle, ein Mafiosi-Mandolinenorchester, eine politische Klavierstelle, ein Autorennen vertont von einer Gitarre und einem Synthesizer usw. aber wem erzähle ich das, hören sie selbst. CL
Produktion und Aufnahme:
Ted Gaier (Die Goldenen Zitronen, 3 Normal Beatles u.a.) und Mense Reents (Die Goldenen Zitronen, Egoexpress u.a.) gemeinsam mit F.S.K. im neuen Art Blakey Studio in Hamburg.