Rap in Deutschland 2002. Der
Morgen danach, ein Bild der Verwüstung: Berge von schnell zusammengeschusterten
Platten die keiner braucht, garniert mit irritierten A&Rs und
umzingelt von den chronischen Besserwissern, die das Ende von Rap
in der BRD sowieso immer schon vorhergesagt haben. Riecht nicht
nur nach Neuer Deutscher Welle, sondern ist tatsächlich so.
Was ist also zu tun? Ganz einfach: Gute Rap Platten machen, denn
HipHop ist nicht daranschuld, daß es ihm so schlecht geht.
Uns bei Buback (übrigens: 15jähriges Jubiläum dieses
Jahr!) sind FIVA und RADRUM das erste mal bei ihrem Auftritt auf
der Eröffnungsveranstaltung von Maximum HipHop 2000 in Hamburg
aufgefallen. Die deepen Beats von RADRUM gingen perfekt mit FIVAs
Flow, die an diesem Abend auch ihre Freestyle-Qualitäten aufblitzen
ließ. Was folgte waren Konzerte, Jams und Tourneen (u.a. mit
MC Rene, 5 Sterne Deluxe, R.A.G.) durch D., die Schweiz und Österreich.
Denn merke: ein seriöser MC verbringt viel Zeit auf der Bühne
bevor er ins Studio geht. 2001 kam dann die Debut Single "Status
Quo" in die Läden und stieß mit clever gesetzten
Beats und routinierter Wortwahl auf offene Ohren.
Durch letztere ist in den vergangenen Monaten viel halbgarer, um
sich selbst kreisender Kram geschwappt, so daß es aller höchste
Zeit ist diesen Zustand zu beenden. Zeit für FIVA
MC & DJ RADRUM! Auf den warmen, völlig unhysterischen
Beats von RADRUM gelingt es FIVA kein einziges mal über Rap
zu reden- stattdessen hören wir auf den Stücken Zustandsbeschreibungen
und Statements, die definitiv nicht zum Standardrepertoire gehören.
Die Gedanken fließen und Rap wird zur Plattform für ihre
Sicht der Dinge- so ist diese außergewöhnliche Platte
auch überall zu Hause. Ein Titel wie "Blaue Flecken"
sei hier exemplarisch angeführt; es geht um Großmutter,
Mutter und Tochter und ihren Gang durch die Geschichte.
FIVA führt das (-alles andere als Rap-typische) Thema so einzigartig
durch die Musik, daß der Zuhörerin und dem Zuhörer
ganz nebenbei wieder klar gemacht wird, daß Rap keine Grenzen
kennt, sondern ein individueller Spiegel
für A.L.L.E.S. zwischen Party und Amoklauf ist. FIVA
und DJ RADRUM ist es mit ihrer Debut LP gelungen aus diesem Spiegel,
der hierzulande noch oft lediglich ein Badezimmerspiegel ist, ein
Spiegelzimmer zu machen.
Vokal und Instrumental geholfen bei diesem ambitionierten Projekt
haben Glammerlicious, Aphroe, die Chosen
Few, Pyranja, I.L.L. Will, Edward Sizzerhand, Esther Adams und Kool
DJ GQ. Und jetzt wünschen wir offene Ohren beim Hören
dieser außergewöhnlichen Platte. |