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DUB ME RUFF
HipHop, Dancehall und Dub-Reggae haben Ende der 80er, Anfang der
90er Jahre bei vielen Musikern aus der Punk/Hardcore-Ecke
das dramatische Gefühl ausgelöst, sich nicht mehr zeitgemäß
ausdrücken zu können. So erging es auch Markus
Grapmeyer und Danielle Mommertz, die Dub
Me Ruff nach dem Ende der Hamburger Hardcore-Band Arm
gründeten. Hinzu stießen Hauke Wendler (Trompete),
Jan Röper (Drums) und Rolf Saggau (Keyboards).
Für Grapmeyer (bei Arm Gitarre, bei Dub Me Ruff zunächst
Bass) und Mommertz (dort Gesang, bei Dub Me Ruff darüber hinaus
Sampling und Programming). waren es insbesondere persönliche
Erfahrungen mit Londoner Sound Systems gewesen, die sie, gemäß
der Parole "No guitars on stage!",
dazu animierten, musikalisch neue Wege zu gehen. "Spin It",
das 1993 veröffentlichte Debütalbum von Dub
Me Ruff, ist eine postoptimistische Neuformulierung der "Punky
Reggae Party" unter veränderten Voraussetzungen.
Weshalb Punk auch nicht wirklich zu hören ist, aber doch die
Annäherung der Band an ihr Thema paradox strukturiert. Auf
ganz ähnliche Weise liesse sich der Titeltrack "Spin
It" als eine Neuformulierung des "Punk
Rock Rap" (ebenfalls ohne Punk) interpretieren, das
heißt, als aufgeklärte Fortführung der Anfang der
80er Jahre missglückten Verbindung von Punkrock und Old School
Rap (Cold Crush Brothers, Fearless Four, The Clash). Zwei
weitere Tracks der ersten Platte verdienen es, hervorgehoben zu
werden: "No Peace Dub" reflektiert unter anderem
die Auflehnung gegen das falsche Leben,
die Abgrenzung von der falschen Revolte (nicht zuletzt jener, die
von vornherein auf das Medieninteresse spekuliert). Dabei beziehen
sich die heraushörbaren Einflüsse (u.a. Dub Reggae, Bass
Culture, "No Peace" - Parolen im HC-Stil) in diesem Falle
nicht im Sinne eines "Crossover" aufeinander. Bei "No
Change" - extrem basslastiger Dub-Stil! - ist das
Verständnis der Band für Female Dub Poetry (Breeze),
Mark Stewart und mittlerweile zu Unrecht in Vergessenheit
geratene On-U-Projekte wie The Missing Brazilians und Pal
Judy nicht zu überhören. Ein Wechselspiel von in die
Ferne gerückten und ganz klar klingenden Stimmen korrespondiert
mit dem wiederholten Einbruch wütender Gitarrensoli und gellender
Schreie in die tonale Harmonie: Gegen die Diktatur
der Freundlichkeit! No change without struggle!
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In einer Welt, in der sich Unterwerfung und Mitmachertum in massenhaftem
Bekennerdrang, im Hang zu ununterbrochenem Reden und hemmungsloser
Offenbarung äußern, empfanden es
Dub Me Ruff als adäquate Strategie, die Rede zu verweigern
bzw. auf Losungen zu reduzieren ("No Peace",
"No Change Without Struggle") und sich zurückziehen
auf den musikalischen "Text". Mit "Spin It"
grenzten sich Dub Me Ruff ab vom Multikulti-Konsens, vom Identitätsgerede,
von den distinguierten Vermarktern "wertvoller Black-Music-Raritäten",
die mit dem Sampler auf Schatzsuche gehen - das war damals wichtig
und das ist es heute noch. Die zweite Platte von Dub Me Ruff, "Through
The Storm", folgte rund zwei Jahre später (im September
1995). Doch zwischen diesen Platten liegt weitaus mehr bewegte Geschichte,
als es diese Zeitspanne andeutet: der Einbruch in das alte Studio
in der Roten Flora, wobei das gesamte Equipment verschwand; die
Mutation der Band Dub Me Ruff zu einem Soundsystem, das nun
als Dub Me Ruff System firmierte; das überraschende
Wachstum der Hamburger Reggae-Szene (siehe unter anderem auch Di
Iries). Das zweite Album steht für
eine konsequente musikalische Weiterentwicklung - obwohl
die Errungenschaften von "Spin It" hier noch präsent
sind. Auf "Through The Storm" betrachtet das Dub
Me Ruff System das Genre Dub wie einen Ozean. Sie loten ihn
hier neu aus. Es gibt keine Grenzen mehr
- zu hören sind Tracks Ambient-Fans, House-Fanatiker, Roots-Leute
undsoweiter. Es ist, vor allem heute, wichtig zu betonen, dass die
MusikerInnen von Dub Me Ruff HipHop und Reggae kennengelernt haben,
als sich diese Genres noch in ihrer Underground-Phase befanden,
als sie den Musikmedien - auch den subkulturellen - noch echte Schwierigkeiten
bereiteten, weil Medien und Publikum damals noch weit von
der coolen Souveränität entfernt waren, mit der sie seit
ungefähr Anfang der 90er-Jahre noch die expliziteste Black-Power-Parole
problemlos im multikulturellen Status Quo versanden lassen können.
Dub Me Ruff haben es stets verstanden, die gängige Wahrnehmung
von "Black Music" gewissermaßen gegen zu lesen,
die Aspekte hervor zu heben, die der Mainstream
unterschlägt, neutralisiert und zum lärmenden Stillstand
bringt.
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