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 .....DUB ME RUFF......
 .....SPIN IT .....
 CD/LP
 Buback Tonträger/ Indigo
1993
 

 ......DUB ME RUFF......
 ......THROUGH THE STORM
.....
 CD/LP
 Buback Tonträger/ Indigo
1995
 

 
     

 

 

 

 

 

 

DUB ME RUFF

HipHop, Dancehall und Dub-Reggae haben Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre bei vielen Musikern aus der Punk/Hardcore-Ecke das dramatische Gefühl ausgelöst, sich nicht mehr zeitgemäß ausdrücken zu können. So erging es auch Markus Grapmeyer und Danielle Mommertz, die Dub Me Ruff nach dem Ende der Hamburger Hardcore-Band Arm gründeten. Hinzu stießen Hauke Wendler (Trompete), Jan Röper (Drums) und Rolf Saggau (Keyboards). Für Grapmeyer (bei Arm Gitarre, bei Dub Me Ruff zunächst Bass) und Mommertz (dort Gesang, bei Dub Me Ruff darüber hinaus Sampling und Programming). waren es insbesondere persönliche Erfahrungen mit Londoner Sound Systems gewesen, die sie, gemäß der Parole "No guitars on stage!", dazu animierten, musikalisch neue Wege zu gehen. "Spin It", das 1993 veröffentlichte Debütalbum von Dub Me Ruff, ist eine postoptimistische Neuformulierung der "Punky Reggae Party" unter veränderten Voraussetzungen. Weshalb Punk auch nicht wirklich zu hören ist, aber doch die Annäherung der Band an ihr Thema paradox strukturiert. Auf ganz ähnliche Weise liesse sich der Titeltrack "Spin It" als eine Neuformulierung des "Punk Rock Rap" (ebenfalls ohne Punk) interpretieren, das heißt, als aufgeklärte Fortführung der Anfang der 80er Jahre missglückten Verbindung von Punkrock und Old School Rap (Cold Crush Brothers, Fearless Four, The Clash). Zwei weitere Tracks der ersten Platte verdienen es, hervorgehoben zu werden: "No Peace Dub" reflektiert unter anderem die Auflehnung gegen das falsche Leben, die Abgrenzung von der falschen Revolte (nicht zuletzt jener, die von vornherein auf das Medieninteresse spekuliert). Dabei beziehen sich die heraushörbaren Einflüsse (u.a. Dub Reggae, Bass Culture, "No Peace" - Parolen im HC-Stil) in diesem Falle nicht im Sinne eines "Crossover" aufeinander. Bei "No Change" - extrem basslastiger Dub-Stil! - ist das Verständnis der Band für Female Dub Poetry (Breeze), Mark Stewart und mittlerweile zu Unrecht in Vergessenheit geratene On-U-Projekte wie The Missing Brazilians und Pal Judy nicht zu überhören. Ein Wechselspiel von in die Ferne gerückten und ganz klar klingenden Stimmen korrespondiert mit dem wiederholten Einbruch wütender Gitarrensoli und gellender Schreie in die tonale Harmonie: Gegen die Diktatur der Freundlichkeit! No change without struggle!

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In einer Welt, in der sich Unterwerfung und Mitmachertum in massenhaftem Bekennerdrang, im Hang zu ununterbrochenem Reden und hemmungsloser Offenbarung äußern, empfanden es Dub Me Ruff als adäquate Strategie, die Rede zu verweigern bzw. auf Losungen zu reduzieren ("No Peace", "No Change Without Struggle") und sich zurückziehen auf den musikalischen "Text". Mit "Spin It" grenzten sich Dub Me Ruff ab vom Multikulti-Konsens, vom Identitätsgerede, von den distinguierten Vermarktern "wertvoller Black-Music-Raritäten", die mit dem Sampler auf Schatzsuche gehen - das war damals wichtig und das ist es heute noch. Die zweite Platte von Dub Me Ruff, "Through The Storm", folgte rund zwei Jahre später (im September 1995). Doch zwischen diesen Platten liegt weitaus mehr bewegte Geschichte, als es diese Zeitspanne andeutet: der Einbruch in das alte Studio in der Roten Flora, wobei das gesamte Equipment verschwand; die Mutation der Band Dub Me Ruff zu einem Soundsystem, das nun als Dub Me Ruff System firmierte; das überraschende Wachstum der Hamburger Reggae-Szene (siehe unter anderem auch Di Iries). Das zweite Album steht für eine konsequente musikalische Weiterentwicklung - obwohl die Errungenschaften von "Spin It" hier noch präsent sind. Auf "Through The Storm" betrachtet das Dub Me Ruff System das Genre Dub wie einen Ozean. Sie loten ihn hier neu aus. Es gibt keine Grenzen mehr - zu hören sind Tracks Ambient-Fans, House-Fanatiker, Roots-Leute undsoweiter. Es ist, vor allem heute, wichtig zu betonen, dass die MusikerInnen von Dub Me Ruff HipHop und Reggae kennengelernt haben, als sich diese Genres noch in ihrer Underground-Phase befanden, als sie den Musikmedien - auch den subkulturellen - noch echte Schwierigkeiten bereiteten, weil Medien und Publikum damals noch weit von der coolen Souveränität entfernt waren, mit der sie seit ungefähr Anfang der 90er-Jahre noch die expliziteste Black-Power-Parole problemlos im multikulturellen Status Quo versanden lassen können. Dub Me Ruff haben es stets verstanden, die gängige Wahrnehmung von "Black Music" gewissermaßen gegen zu lesen, die Aspekte hervor zu heben, die der Mainstream unterschlägt, neutralisiert und zum lärmenden Stillstand bringt.