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Brüllen
Wer sich in einer Band in einer Verhandlungssache durchsetzt, hat
sich wahrscheinlich aufgespielt. Aufspielen tut sich bei Brüllen
nicht immer die selbe Person. Die Band probt auch nicht unbedingt,
sondern stellt sich auf ihre Art an. Das geht nicht ohne kitschige
Launen ab. Brüllen erklären
Rock nicht für tot. Wer das tut, will bloß ein bisschen
Aufmerksamkeit im Tagesgeschäft. Brüllen interessieren
sich in kitschigen Launen weit-schweifig für Rock (Höre
dazu das Stück "Kitschige Launen"). Sie grenzen
sich aber ab von Positionen, denen zufolge Bands und ihre Mitglieder
für bestimmte Dinge "zuständig" sind und für
andere wiederum nicht. "Seinen Job ... machen" und nichts
anderes - das sollte ein Mitglied der Gruppe Brüllen bei einem
ihrer Konzerte, forderte einst unwirsch eine Berliner Zeitung, die
von "Zuständigkeiten" auf der Bühne ganz genaue
Vor-stellungen hat. Brüllen-Musiker, das zeigt das bei Buback
erschienene Album "Schatzitude", machen nicht ihren
Job: Bassistin Luka Rothmann, in einem anderen Leben House-DJ,
spielt weite, schwingende Bassfiguren, nicht ohne einen betulichen
Schalk. Vielleicht ein Weg, Räume zu beschreiben, ohne sie
gleich besetzen zu wollen. Sie verlegt
sich auf Riffs, die ein Stück nicht einfach ergänzen,
sondern wie viel Wasser über sie rüberspülen.
Martin Buck trommelt und liefert am Schlagzeug Zustandsbeschreibungen.
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Es gibt etwas in einem und an einem, das man nicht so genau kennt,
um das man aber nicht herumkommt. Deshalb muß man es in einer
ziemlich eigenen Weise beschreiben, damit man es kennenlernt. Martin
spielt auf diese Weise einnehmend persönlich. Der Sänger
Kristof Schreuf führt die Gitarre ein bisschen auf und
vor. Die Gitarre zehrt ansonsten von der
Weite, die der Bass hinterlässt - und von der aufgekratzten
Unwirschheit des Schlag-zeugs. "Rastloses Anrennen"
hörte die taz aus einigen Stücken heraus. In den Texten
von Brüllen werden oft sattsam bekannten Redewendungen abgewandelt.
Das zeigen Zeilen wie "Ich werd' nicht fertig und nicht
fix/Und die Verrücktheit ändert sich .../Ich bin von Kopf
bis Fuß eingestellt/Meine Welt ist nicht meine" (aus
"Bass für Flughäfen"). Oder: "Mit
dickem Kopf klettere ich die Wand hoch/Und denke an den Schlachtruf:/Jetzt
geht's bloß." Übrigens: Der Blumfeld-Song
"Anders als glücklich" (auf dem Album "Testament
der Angst", 2001) geht zurück auf den Brüllen-Text
"Chonosen ohne Boss", in dem Kristof Schreuf singt:
"Ich fühle mich anders als glücklich."
Die nächste Platte von Brüllen kommt wahr-scheinlich im
Laufe des Jahres 2001 bei Kitty
Yo heraus, wo auch schon die Vinyl-Ausgabe von "Schatzitude"
erschien. "Wenn nichts zustande kommt,
liegt's an meiner Unorganisiertheit", sagt Kristof Schreuf.
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