News / Label / Bands / Newsletter / Konzerte / Tourdaten / Links / Mailorder / Impressum
 
 
 

The Broken Beats

 THE BROKEN BEATS  

 "In The Ruin For The Perfect"
Buback/Indigo
{CD}  //  VÖ: 25/05/2007

 
  WWW.THEBROKENBEATS.COM | MYSPACE  
     
 

Geht es um The Broken Beats reden alle erst mal nur von Liebe. Und jeder hat seine eigene Geschichte.

Diese geht so:
Es spielt die Band im Jahr 2005 im Hamburger Club ’Weltbühne’. Acht Leute auf der winzigen Bühne, vierzig stehen davor. Alles fühlt sich heilig an. Die Leute vor der Bühne tanzen, halten sich an den Armen und wedeln mit ihren Bierflaschen zur Bühne hin, auf der die Band steht und Kim Munk, der Sänger. Jetzt hüpft er von der Bühne runter, verheddert sich im Mikrokabel, liegt lachend auf dem Rücken im Bier und singt wie ein Gott. Nach drei Stunden sind alle vollkommen fertig und halten sich Absinth trinkend am Tresen fest, Musiker und Publikum. Plötzlich rennt Kim Munk wieder auf die Bühne, setzt sich hinters Keyboard und spielt noch ein Lied. Seine Musiker taumeln hinterher. Das Publikum kann’s nicht fassen. Es geht weiter. Ein Mädchen – kein Witz – weint und stammelt was von: ”Will die Heiraten... glücklich... Wahnsinn.” Gegen drei Uhr Morgens sind alle Saiten gerissen, Musiker und Publikum liegen sich in den Armen und ziehen auf den Kiez. Zwei Wochen später kommt ein Brief in den Club. Kim Munk schickt das erste Album seiner Band. ”Es ist nie veröffentlicht worden aber das beste. Liebe, Kim”, steht in holprigen Deutsch auf einem Blatt Papier. Ein halbes Jahr später spielen The Broken Beats im selben Laden, der nun knackvoll ist, klar.

Das ist keine besondere Geschichte sondern eine normale, wenn es um The Broken Beats und ihren Anführer Kim Munk geht. Es gibt auch die Geschichte von der Polizeikontrolle auf der Autobahn irgendwo in Deutschland, die damit endet, dass Kim Munk, der Busfahrer, den Polizisten im Streifenwagen sein neues Album vorspielt, und die Polizisten beseelt dem klapprigen wie eine Brauerei stinkenden Bandbus hinterher winken. Und dann die Geschichte von den Leuten der Plattenfirma Buback, die The Broken Beats in Leipzigs ’Ilses Erika’ spielen sehen, das Demo des neuen Albums in die Hände bekommen und nicht anders können, als diese Band unter Vertrag zu nehmen. Und hier ist es jetzt: Das dritte offizielle Album von The Broken Beats – ”In The Ruin For The Perfect”. Wenn man so will das Happy End. Denn endlich ist alles, was man an dieser Band so liebt – die unbändige Spielfreude, den Hang zu glücklichmachenden Melodien, der Aufrichtigkeit und Lebenslust – endlich ist all das auf einem Album vereint, das geradezu birst vor Ideenreichtum und Witz, und dabei so nah und ehrlich ist wie ein guter Freund. Das müssen wir jetzt aber mal ein bisschen näher erklären.

Das Selbstverständnis von The Broken Beats ist ein ganz und gar offenes. Alles geht immer. Nichts ist unmöglich. Es begann im Frühjahr 2001 in der dänischen Hafenstadt Aarhus, als Sänger und Gitarrist Kim Munk ein Haufen Leute um sich scharte, um eine Band zu gründen, für die es keine Grenzen gibt, in der Raum ist für musikalische und menschliche Fehler, in der das Unperfekte zum Prinzip erhoben wird und Kim Munk endlich so sein kann wie er will: er selbst. Es ging hin und her und rauf und runter. Die Musiker kamen und gingen. Mal spielten The Broken Beats als dreiköpfige Rockband und dann als hemmungslose Bigband mit 17 Musikern. Mal war das Rock, Pop, Country, Folk, Soul – na ja, es war eigentlich immer alles und vor allem: eine Suche. Sie reisten durch Skandinavien, Österreich, Deutschland und Holland, zerstörten drei Bandbusse, unzählige Instrumente und am Ende sich selbst. Kim Munks Traum von der unperfekten Band zerplatzte in einem Chaos aus Motoröl, Reifenfetzen, Alkohol, zerrissen Gitarrensaiten, Liebeskummer und Faustkämpfen. Vor 18 Monaten war nicht mehr viel übrig von The Broken Beats. Aber ist Kim Munk ein das Leben umarmender Megamensch? Ist dieser Typ ein einziges zuckendes Herz? Ist die Erde rund?

Und so kam er zur Ruhe und zog nach Hamburg und setzte sich hin und schrieb diese neuen Lieder, in denen nun endlich alles zusammen findet, was diese Band so herrlich und einzigartig macht. Es scheint, als wäre die Suche beendet, denn das hier ist das große Werk, das Universum auf einer Silberscheibe.

The Broken Beats

Die elf Stücke kurz angespielt:
”Weight Of Words” – das geht ja gut los. Irgendwas kommt vom Himmel runter. Aus den Spacesounds und Engelschören schält sich eine Hymne. Amtliche Overtuere.
Der ”Breakbeatsong” ist genau das; ein über gebrochene Beats hin zu einem weltumarmenden Refrain holperndes Lied, das zum Hit wird bevor man sich versieht.
”Essentials” ist geradliniger Sommernachmittagspop mit 70erjahre Glam und dem schönen Satz nach der vorlauten Bridge: ”You will know if you try / It’s a matter of time / It’s these moments of your life / It’s essential to fly.” Und Geigen und Choräle.
”Waters” kommt ganz langsam und unscheinbar über einen lockeren Rhythmus und hebt sich sachte zu einer feinen Harmonie.
”Black Fire” beginnt wie eine Klavierpophymne, um dann plötzlich in ein schwarzes, sägendes Biest auszuarten.
”Stood Still” macht einen auf mysteriösen Gruselschocker im Waberland und wird dann Stück für Stück zu einem komplexen Riesenlied, das zwanzig Meter über der Erde Erlösung findet.
Danach: ”Commodore Stain”. Locker hingeworfener Cabriopop für eine Fahrt über rote Wiesen, auf denen knallgelbe Frösche über denn Sinn des Lebens philosophieren.
”Burning Rose” – Hören Sie diesen Mädchenchor im Refrain! Hören Sie? 
”Copy”, die erste Single, ist ein von einem hibbeligen Banjo bewegter Tanzflächenfüller. Feuer für die Indie-Disco.
Bei ”Breaking Me Down” werden The Broken Beats zur stumpf riffenden Rockband. Texas, oder was? Und dann, klar, die Überraschung. Kein Lied dieser Band ohne Überraschung.
Und zum Schluss ”In The Ruin...” Das fast zehnminütige Titelstück. Eine kompakte Oper mit direkten Zugang zum Universum.
Man bleibt atemlos zurück oder geht mit, das ist ne Typfrage.

Jetzt können Sie, lieber Leser, mal schön versuchen zu beschreiben, was The Broken Beats hier fulminieren. Klar und offensichtlich ist hier offensichtlich nichts. So einfach ist das Leben nicht. Für jemanden wie Kim Munk, der das Dasein erforschen und bis zum Innersten durchleben will, schon gar nicht. Deswegen können Sie von ihm auch keine Hilfe erwarten, wenn es darum geht, seine Musik zu beschreiben und einzuordnen. Kim Munk sagt lieber Sätze wie diese:
”Eine Band ist eine Illusion und existiert nur in den Gedanken der Menschen. Unsere Band ist das, was Du in ihr siehst. The Broken Beats sind weder Hip Hop, Trance, Breakbeats noch Nu-Jazz oder The Band. The Broken Beats heißen wie sie heißen, um den gebrochenen Rhythmus des Lebens zu beschreiben. Kein Leben ist perfekt, aber oft streben wir danach, und dieses Streben setzt uns unter unmöglichen Druck, manch einen zerstört es. Je mehr wir uns um das perfekte Leben bemühen, desto weiter entfernen wir uns davon. Was wollen wir eigentlich wirklich? The Broken Beats wurden von einem Typen gegründet der nicht wusste was es heißt, gebrochen zu sein. The Broken Beats haben ihm das gelehrt. Und jetzt sind der Typ und die Band bereit für die Zukunft. Ihre Musik ist Pop’n’Rock’n’Roll. Es ist positive Energie, die ins Universum geschickt wird, und vielleicht kommt irgendwas davon zurück.
All the best,
Kim“

 

Tino Hanekamp