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Tilman Rossmy

Tilman Rossmy

Als Sohn eines Chemikers und einer Lehrerin in bürgerliche Verhältnisse hineingeboren, verbrachte der spätere Musiker und Songwriter seine Kindheit, Jugend sowie die ersten zehn Jahre seiner musikalischen Laufbahn in Essen. Rossmys erste Band, Die Regierung, begann 1982 als Ein-Mann-Projekt: Die ersten Demo-Tapes wurden lediglich mit Rhythmusmaschine und Synthesizer aufgenommenen, erzielten jedoch eine lobende Erwähnung im britischen Melody Maker. Mit „Supermüll“, „So allein“, „Loswerden“ und „Unten“ schuf er mit der Regierung wichtige Platten der deutschen Musikgeschichte.

„Nenn mich Survivor“:
Solokarriere und Tilman Rossmy Quartett

Mit Songwriter-geprägtem Alternative Country konzentrierte sich Rossmy ab Mitte der 1990er Jahre auf eine Karriere als Solosänger. „Willkommen zuhause“ enthielt mit „Bodycount T-Shirt“ einen veritablen Independent-Hit, brachte gute Kritiken im deutschen Ableger der US-Musikzeitschrift Rolling Stone sowie in anderen Musikmagazinen und wurde Rossmys bislang meistverkaufte CD. Zusammen mit dem Hamburger Sänger, Gitarristen und Entertainer Bernd Begemann führte das neu aufgestellte Tilman Rossmy Quartett eine erfolgreiche Tour durch, die von Nick Cavacas, einem Urgestein der deutschen und britischen Independent-Szene, gemanagt wurde. Die gemeinsame Tournee mit Bernd Begemann begründete in der Folge auch die enge Zusammenarbeit mit dem Country-Gitarristen Folke Jensen. Problemlos gestaltete sich der Wechsel von L'age d'or zum neuen Label Glitterhouse.

Nach „Willkommen zuhause“ gelang Rossmy zeitweilig der Sprung ins Lager der professionellen Musiker. Die Folge-CD von 1997, „Selbst“, enthielt mit „Maria“ zwar einen weiteren potenziellen, auch als Single ausgekoppelten Hit. Verkaufstechnisch gesehen konnte „Selbst“ „Willkommen zuhause“ jedoch nicht mehr übertreffen. Seine Erfahrungen mit dem Musikbusiness thematisierte der Sänger, Gitarrist und Songwriter 1998 auf „Passagier“ lakonisch-selbstreflektiert in den beiden Stücken „15 Jahre“ und „Der 251. Song“. Musikalische Experimentierfreude sowie teilweise abrupte Schlenker – einerseits hin zu den Punk- und Rock'n'Roll-Roots der Anfangszeit, andererseits hin zu anspruchsvolleren Chanson- und Jazz-Elementen – prägten auch die Veröffentlichungen und Konzerte der folgenden Jahre. Die CD „Reisen im eigenen Land“ (2002) ließ nicht nur den rauhen, ungeschliffenen Punk-Sound der Regierung-Ära wieder auferstehen, sondern enthielt auch 15 Neueinspielungen von Regierungs-Stücken. Die andere Seite mit melancholischen, fast chansonhaften Songs zelebrierte der selbsternannte „Survivor“ der deutschen Independent-Musikszene 2003 auf dem Nachfolger „Seitdem man mich…“. Rossmys bislang letztes Album, „Alles muß gehen“ (2004), ging den Weg des Vorgängers noch ein Stück weiter und vertonte unter anderem Übersetzungen persischer Dichter aus dem späten Mittelalter. Als Gegenpol zu der eher ruhigeren, songorientierten Arbeit mit dem Tilman Rossmy Quartett führte der Künstler bereits 2005 eine Tournee unter dem Etikett „Rock'n'Roll Tour 2005“ durch. Anfang 2006 versuchte Rossmy, für Live-Auftritte eine neue Regierung zusammenzustellen und kündigte mit ihr bereits einen Auftritt auf dem Immergut Festival an.

Seit 2001 lebt Tilman Rossmy, im Ausbildungsberuf seit 1999 diplomierter Physiker, in München. Er arbeitet als freier Programmierer für unterschiedliche Firmen. Die letzten drei CDs werden, obwohl Glitterhouse weiterhin als Label fungiert, in Eigenregie vertrieben. Um seine Unabhängigkeit zu pflegen, entzieht er sich dem Business-Betrieb mitunter durch längere Reisen oder Auslandsaufenthalte. Zusätzlich entstanden sind in den Jahren zahlreiche Einspielungen für diverse Sampler-Projekte wie zum Beispiel die bei Trikont erschienene und von dem Schriftsteller Franz Dobler zusammengestellte Tribute of Johnny Cash-Compilation „A Boy named Sue“ oder etwa die 2006 von neuen deutschsprachigen Künstlern eingespielte Hildegard Knef-Reminiszenz „Ihre Lieder sind anders“.