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Foto: Knut Klaßen

NEW BLACK Couper Decaler Électronique

Douk Saga (1975-2006), genannt „der Präsident“, Lino Versace, Solo Béton, Boro Sanguy und die anderen Mitglieder der selbst ernannten „Jet Set“ haben 2003 den Auftrittsstil des Couper Decaler im Milieu der ivorischen Diaspora in Paris kreiert. Legendär wurden die Auftritte der „Jet Set“ durch ihre atemberaubenden  Selbstinszenierungen. So produzierten sie innerhalb der ivorischen Gemeinde in Paris einen riesigen Hype, als sie damit begannen bei ihren Auftritten mit Geld herumzuwerfen. Geschickt das enge ivorische Kommunikationsnetz zwischen Paris und Abidjan nutzend, steigerten sie in einer Art Ping-Pong-Effekt ihren Ruhm und  revolutionierten innerhalb kürzester Zeit die Musiklandschaft der Elfenbeinküste. Couper Decaler wurde zu d e r  zeitgenössischen Popmusik in Westafrika und in manchen Vororten von Paris.

Zeitgleich arbeiteten DJs und Arrangeure in Abidjan in der Côte d'Ivoire an seiner musikalischen Entwicklung. Ein Couper Decaler Song wird innerhalb einiger Stunden aufgenommen, es gibt einen zumeist schnellen, aufgeregten Grundbeat, auf den die Sänger improvisieren, der Arrangeur erfindet anschließend die Songstruktur. Texte sind niemals kohärent, politisches mischt sich mit sexuellem, alltäglichem und Animation. Animation und Atalakou sind eine Spezialität der ivorischen DJs und Atalakou bedeutet, einen Lobgesang zu kreieren. Die Kunst des Atalakou haben die Ivorer aus dem Kongo übernommen, wo die Gesänge ursprünglich an Autoritäten wie Mobutu gerichtet waren.

Die ivorischen DJs beziehen sich auf die Clubgäste, die im Nachtleben eine neue Existenz oder zumindest einen neuen Namen oder Titel als Bänker, Diamantenguru, Präsident oder Geldmaschine tragen, Namen, die von den DJs immer wieder gesungen werden. Das Couper Decaler Publikum will nicht nur Publikum sein, sondern selbst zum Star werden. Jeder kann im Studio einen eigenen Song bekommen, wenn man selbst kaum singen kann, nimmt man sich eben Gastsänger, die versponnene Lautkombinationen, Textfetzen und manchmal Namenslisten der Sponsoren des Songs (Spot) singen. Berühmte Gastsänger sind SKelly, „l'oiseaux rare“ (der seltene Vogel) mit über 1500 Featurings und Shaggy Sharoof, „la voix la plus pointure du monde“ (die schärfste Stimme der Welt), die jahrelang in vielen Songs stilprägend waren und mittlerweile herausragende Solokarrieren haben.

Entstanden in einer Zeit der Krise und Verarmung der Elfenbeinküste, gibt der Couper Decaler einer Parallelwelt zwischen Paris und Abidjan Raum, die die eigene Existenz in einer Mischung aus subversiver Selbstbehauptung, Dandytum und Glamour erscheinen lässt. Dabei sind theatrale Inszenierung und die Erfindung neuer Tanzformen, den so genannten Konzepten, unverzichtbarer Bestandteil erfolgreicher Songs. Gadoukou la Star war zunächst Choreograf der „Jet Set“, ein besonderer Job, da die „Jet Set“ nicht trainiert hat und ihre Bewegungen größtes Spinnertum verlangen. Er ist dann erfolgreicher Solotänzer geworden mit Zusatzkarriere als Sänger, ein großer Star des Couper Decaler, so dass er auf der Bühne die Tanzkonzepte seiner Songs besonders pushen kann.

Seit 2005 arbeiten Gintersdorfer/Klaßen mit einem deutsch-ivorischen Team an Theateraufführungen, die Phänomene aus der Côte d'Ivoire thematisieren, Gadoukou la Star, Shaggy Sharoof, Gotta Lalman, DJ Meko und SKelly sind Performer in diesen Arbeiten, so dass Showbiz und Theater auf selbstverständliche Art zusammenkommen. Im Jahr 2010 hat sich die Zusammenarbeit auf die Songproduktion ausgedehnt, dafür haben Gintersdorfer/Klaßen Melissa Logan und Nadine Jessen von Chicks on Speed, Ted Gaier - u. a. die Goldenen Zitronen, Jacques Palminger und Carsten „Erobique“ Meyer nach Abidjan eingeladen.

Die Titel "Place", "Hell before Hell", "Je prends" und „Can´t go Back to New Black“ greifen Texte oder Grundideen der Theaterstücke auf. Sie handeln mehr oder weniger explizit von dem schwelenden politischen Konflikt, der die Elfenbeinküste im Frühjahr 2011 in den Bürgerkrieg trieb. Was diesen Tracks eine eigenständige neue Form verleiht ist zum einen ein für ivorische Verhältnisse untypischer Umgang mit Sound. Während eine Couper Decaler Produktion ohne großen Sounddiskurs mit Preset Sounds auf Midi-Keyboards eingespielt wird, finden sich hier auch akustische Instrumente und Analogsynthesizer als Soundquellen. Sämtliche Sounds des Song „Hell before Hell“, arrangiert von Ted Gaier und Champy Kilo, basieren beispielsweise auf einem Korg MS 20 Synthesizer.

Zum anderen ergab die Kollaboration mit Timo Litzenberger, Ted Gaier und im Fall von „Place“ auch mit Mense Reents einen erweiterten Umgang mit den sonst recht puristisch gehandhabten Couper Decaler Beats. Der „europäische“ Einfluss besteht in der Erweiterung dieser Beats z.B in Richtung Dubstep, inklusive einer exponierteren Rolle der Bässe und einer ebenfalls untypischen Düsterness in Sounds und Arrangements. "Je prends", die Geschichte eines Kriminellen der durch den Bürgerkrieg frei kommt und mit Waffen ausgestattet sich jetzt nimmt, was er schon immer haben wollte, basiert auf einem Sample jenes kongolesischen Beats, der leicht variiert zum Couper Decaler Beat wurde. 

„Totaler Spinner“ ist praktisch eine Lehrstunde in Couper Decaler von Shaggy Sharoof an Jacques Palminger und Carsten „Erobique“ Meyer, die so ihren ersten Couper Decaler Titel erfunden haben, der von dem ivorischen Arrangeur Elvis Seconde noch knackiger gemacht wurde. „Chicken“ ist ebenfalls ein klassischer Couper Decaler Song arrangiert von Champy Kilo. Die anderen Songs vereinen verschiedene Stilrichtungen "Fashion" ist ein Mashup von zwei vorher bereits existierenden Titeln von Chicks on Speed und Gadoukou la Star. Für „Blood“ hat SKelly eine Rockgitarre von Ted Gaier verlangt, auf die er singen kann, in der zweiten Phase des Songs stimmt Gotta Lalman einen folkloristischen Heulgesang in der Sprache „Bete“ an.

NEW BLACK Couper Decaler Électronique: New Black

CD / LP / Digital

VÖ: 13.01.2012

NEW BLACK Couper Decaler électronique